Eigentlich nur als "Pflichtlektüre" für die geplante Sizilienreise gelesen und das mit großen Vorbehalten, wurde mir Giuseppe Tomasi di Lampedusas (1896–1957) Roman "Il Gattopardo" (erschienen posthum 1958, deutscher Titel meist "Der Leopard") zu einem großen Lesevergnügen. Schon vor Jahrzehnten hatte ich die legendäre Visconti-Verfilmung gesehen und in guter alter Schülermanier gedacht, das reiche dann auch.
Tja, werch ein illtum! Sprachlich und erzähltechnisch im Stil der großen Werke des 19. Jahrhunderts, erzählt Tomasi in seinem einzigen Roman vom Ende eines großen sizilianischen Adelsgeschlechts vor dem Hintergrund der Entstehung des italienischen Nationalstaats.
Dabei macht er viele Anleihen bei der eigenen Familiengeschichte. Der Erzähler lässt sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts verorten und gibt sich an einigen Stellen zu erkennen, wenn er ganz offensichtlich Bezug auf diese seine Zeit nimmt, um sein Erzählen als Rückblick zu kennzeichnen.
Der Roman kann gelesen werden als Geschichte des Scheiterns und Vergehens, das aber trotz aller stillen Melancholie auch als natürliche Entwicklung der Welt begriffen wird, als Scheitern, das etwas Neuem Platz macht.
Tomasis Roman ist voll subtiler Ironie - wie alle großen Romane des 19. Jahrhunderts, man denke nur an Fontanes "Stechlin" (mit ganz ähnlicher Thematik), den ersten Teil von Dostojewskis "Dämonen", Stendhals "Rot und Schwarz", die ganze Jane Austen...
Der Ironie des Lebens ist sich der Held Don Fabrizio, der letzte "Leopard", durchaus bewusst. Er reflektiert sie immer wieder, analysiert die Gesellschaft seiner Zeit, ist emotionaler Genussmensch, der in seinem Hang zu Jagd oder Erotik durchaus noch dem Alten angehört, aber auch analytischer Geist, der Mathematik und Astronomie ernsthaft und erfolgreich betreibt. Er ist ein Wanderer zwischen den Zeiten.
Überragend finde ich die Sterbeszene Don Fabrizios, der nur noch der Todeskampf Emmas in "Madame Bovary" oder Winnetous in "Winnetou Teil 3" gleichkommt.
Zu empfehlen vor der Lektüre ist vielleicht ein Überblick zur italienischen Einigung oder besser noch zu Garibaldi.
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