Christine Wunnicke. Die Dame mit der bemalten Hand

Carsten Niebuhr, den deutschen Mathematiker, Kartographen und Forschungsreisenden in dänischen Diensten, und den persischen Astrolabien-Konstrukteur Meister Musa verschlägt es 1764 zufällig auf dieselbe Insel, Elephanta, wo sie auf ein Schiff warten müssen, das sie mitnimmt.

Niebuhr, der letzte Überlebende seiner Expedition, ist krank und Musa pflegt ihn und erzählt ihm Geschichten, um ihn am Leben zu erhalten. Inwieweit diese Geschichten erfunden sind, bleibt unklar. Am Ende rettet sie eine skurrile englische Gruppe. Unklar ist auch, ob der historische Niebuhr die Insel überhaupt besucht hat - in seinen Reiseberichten findet sich nichts darüber.

Den Titel verdankt der kurze Roman (168 Seiten im Berenberg Verlag) dem Interesse der beiden Helden (um die handelt es sich im eigentlichen Sinne) an den Sternen und Sternbildern: In Kassiopeia sieht Niebuhr in europäischer Tradition eine Frau, der Perser Musa nur deren bemalte Hand.

Was fängt man damit nun an? Ist es ein historischer Roman? Im üblichen Sinn Gott sei Dank nicht. Auch "satirische Wissenschaftsgeschichte" sei sicher gänzlich falsch, meint die SZ. Für die FAZ ist das Werk "bester Slapstick a la Marx Brothers" und "eine Parabel [...] über das Missverstehen der Kulturen an der sprachlichen Oberfläche, das aber in ein viel tieferes Verständnis münden kann, wenn man überhaupt beginnt, miteinander zu sprechen."

Sucht man weiter, findet man viele Interpretationsansätze, die sich einem aber nach der Lektüre dieses Romans oft nicht gerade aufdrängen. Eigentlich habe ich vor allem die schöne, akkurate Sprache genossen, das Spiel mit verschiedenen Stilarten, vom nüchtern-norddeutschen Niebuhr, der seine Lebensgeschichte erst nach Drängen dokumentiert und nicht erzählt, über das scheherezadehafte Mäandern Musas bis zu den trottelhaft-ignoranten Dialogen der Vorboten des englischen Kolonialismus. Und bei der Schilderung des völligen Unverständnisses der Protagonisten angesichts des Tempels auf der Insel, heute Weltkulturerbe, wurde mir bewusst, was ich schon immer geahnt habe: Reisen ohne intensive Beschäftigung mit der jeweiligen Kultur, ist reines Bekenntnis zur gepflegten Langeweile, also vermutlich Sublimation.

Davon kann hier keine Rede sein: Wunnickes Roman ist witzig, manchmal sogar bösartig, unterhaltsam, ohne dass man 1000 und eine Nacht in die Lektüre investieren müsste. Aber wenn man das wünscht, kann man ja zu einem der vielen anderen Werke dieser Autorin greifen.