Freitag, 25. September 2020
Christina Dalcher. Vox.

Susanne empfiehlt "Christina Dalcher. Vox." Die Unterdrückung der Frauen geht hier so weit, dass ihnen nur noch 100 Worte pro Tag erlaubt sind.

Eine Leseprobe gibt es direkt beim Fischer Verlag.

Cover-Foto mit Erlaubnis des S. Fischer Verlags

"In Vox erscheint kaum etwas plausibel", meckert die Zeit und unterstellt sogar plagiierende Anleihen bei Atwoods "Report der Magd". "Viel „Inspiration“ – aber nichts inspiriert Dalcher zu etwas Neuem, wirklich Originellem", ätzt ungewohnt scharf deutschlandfunkkultur und empfiehlt den Roman den Leserinnen von Ildiko von Kürthy oder Hera Lind. Da muss der Spiegel natürlich noch einen draufsetzen und titelt gleich "Heilige Scheiße". Findet sich denn nirgends Rittersmann oder Knapp, der 's wagt zu schlauchen in diesen Tund? Anscheinend nicht. Auch die taz, die den Roman in einem Artikel über feministische Belletristik aufführt, bescheinigt ihm allenfalls "Megamassentauglichkeit". Hmmmm, was nun? Vielleicht kommt ja bald der Gegenentwurf von Mario Barth: Der Roman über Männer, die gezwungen werden, mehr als 100 Worte am Tag zu sprechen.





Mittwoch, 23. September 2020
Emma Becker "La Maison"

Zu heiß und erotisch? Yvonne warnt vor "La Maison" von Emma Becker.

Cover-Foto mit Erlaubnis des Rowohlt-Verlags

Wer sich nicht die Finger verbrennen will, kann erstmal die Leseprobe auf der Verlagsseite als pdf downloaden.

Dies "ist ein besonderes Buch, und es zu lesen ist ein seltenes Glück", schwärmt der ndr. Becker hat zwei Jahre in einem Bordell gearbeitet, ein Selbstversuch. deutschlandfunkkultur liefert Biographisches und weiterführende Links zum Thema Prostitution. Der Spiegel weiß, wie es zum Roman kam: "Die verklemmte Atmosphäre im Gymnasium nervte und provozierte sie."

Jesusundmaria! Das soll genügen. Kaum eine Kulturseite, die sich nicht auf das Werk stürzt. Jetzt warten wir auf den Roman der Prostituierten, die sich in einem Selbstversuch für zwei Jahre an ein Gymnasium begibt. Tenor: "Die verklemmte Atmosphäre im Puff nervte und provozierte mich."





Donnerstag, 13. August 2020
Hinweis zu Lesetipp

Die SZ bringt heute eine Rezension zu Deepa Anapparas Roman "Die Detektive vom Bhoot-Basar", der auf der Vorschlagsliste zum 43. Treffen stand. Der Roman erziele "seinen verstörenden Effekt mit ästhetischen Mitteln, indem er dem Leser diese brutale Welt so zeigt, wie ein Kind sie wahrnimmt. Das, was eigentlich geschieht, entsteht im Kopf des Lesers - und bleibt dort noch lange nach dem Ende dieser Geschichte."

Cover mit Erlaubnis der Rowohlt-Verlage

Der Spiegel lobt, Anappara ringe "der im Kern tragischen Geschichte durch Jais kindlich-naiven und gleichzeitig naseweisen Erzählstil eine enorme Unmittelbarkeit und sogar eine komische Dimension ab, ohne allerdings eine Feelgood-Story daraus zu machen".





Freitag, 10. Juli 2020
Georg-Büchner-Preis 2020

Den Georg-Büchner-Preis erhielt 2020 Elke Erb.

Foto: Von Kritzolina - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

In der Begründung der Akademie-Jury heißt es dazu:

Mit Elke Erb ehrt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ein unverwechselbares und eigenständiges schriftstellerisches Lebenswerk, dessen Anfänge 1975 in der DDR lagen und das sich nach deren Ende unbeirrt bis in die Gegenwart fortsetzt. Elke Erbs poetischer Sachverstand, der sich auch in ihrer reichen übersetzerischen Arbeit zeigt, beeinflusste mehrere Generationen von Dichterinnen und Dichtern in Ost und West. Ihre Gedichte zeichnen sich durch eine prozessuale und erforschende Schreibweise aus, in deren Verlauf die Sprache zugleich Gegenstand und Mittel der Untersuchung ist. Elke Erb gelingt es wie keiner anderen, die Freiheit und Wendigkeit der Gedanken in der Sprache zu verwirklichen, indem sie sie herausfordert, auslockert, präzisiert, ja korrigiert. Für die unverdrossene Aufklärerin ist Poesie eine politische und höchst lebendige Erkenntnisform.

Damit "ehrt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung nicht nur eine Außenseiterin der Literatur, sie unterstreicht zudem den Stellenwert der deutschen Lyrik", meint Cicero.

Irgendwie spärlich oder? Auch das Hausblatt des hirnverfetteten Münchner Peripherintellektualismus, die SZ, klingt etwas ratlos und ergeht sich in Blabla. Zum Werk? Nüscht! Und so ist es auf allen anderen Seiten, sodass wir uns weitere Links sparen können. Erb-ärmlich! Wenn der liebe Feuilletonbestücker nicht kopieren kann, hält er sich an Wittgenstein: Worüber man nicht abschreiben kann, darüber muss man plappern.

Wer Gedichte von Elke Erb lesen oder sogar anhören will, kann das auf lyrikline. Aber mein lieber Scholli - da hast du zu kauen. Oder wie Frau Erb in dem Gedicht "Ein zahmer Konjunktiv" sagt:

Etwas ist kompliziert, nicht unkompliziert.
Wäre es unkompliziert, könntest du ...

Nachtrag: Es gibt sie doch noch - Zeitungen, deren Feuilletonist*innen - hier Katharina Granzin - sich Mühe geben. Zum Beispiel in der taz! Und schon 2018 gab es hier einen weiteren Beitrag zu der Autorin.





Samstag, 21. März 2020
Preis der Leipziger Buchmesse

Der Buchmesse-Preis ohne Buchmesse, also der der Leipziger Buchmesse, die 2020 wegen des gar nicht mehr so neuartigen Corona-Dings ausfallen musste, geht in der Sparte Belletristik an Lutz Seiler für seinen Roman "Stern 111". Seiler ist bekannt geworden durch seinen 2014 erschienenen, mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten und verfilmten Roman "Kruso".

Foto mit Genehmigung des suhrkamp-Verlags

Die Jury begründete ihre Wahl so: "In Lutz Seilers kunstvollem Roman wird groß und genau die Neuordnung der Dinge in einem plötzlich regellosen Raum beschrieben, und das in der Verquickung von Geschichtsschreibung und Privatmärchen". Seilers Konkurrenten waren Ingo Schulze ("Die rechtschaffenen Mörder"), Verena Güntner ("Power"), Leif Randt ("Allegro Pastell") und Maren Kames ("Luna Luna").

Foto: Amrei-Marie, Lutz Seiler 2, CC BY-SA 4.0

"Ein kurzer Winter der Anarchie" enzensbergert Die Zeit in ihrer Rezension. Seilers Roman beschäftigt sich mit den ersten Jahren nach der Wende. "Vom Handwerk in ungewissen Zeiten handelt, streng genommen, dieses Buch", weiß die Süddeutsche - nicht das schlechteste Thema in einer Phase, in der sich mancher Handwerker fragt, wie es weitergeht, und, schlimmer noch, die Baumärkte schließen müssen.

Die FAZ legt eine Schippe drauf. Der Roman verwandle "das vermeintlich Banale in etwas ganz Besonderes, sogar Heiliges". Soweit versteigt sich das "lesenswert"-Quartett in seiner hörenswerten Diskussion nicht. Danke!

Mit Genehmigung von Kiepenheuer&Witsch

Übrigens noch etwas zu einem der erwähnten Buchpreis-Konkurrenten. Da wird schon wieder propheZeit: "An diesem Buch kommt kein Millennial vorbei: Leif Randts Roman 'Allegro Pastell' ist die perfekte Durchdringung der Gegenwart". Während die Süddeutsche ätzt: "Kaum ist Leif Randts neuer Roman da, geht das Gerede von einer neuen Jugendbewegung los. Aber hätten die, von denen sie erwartet wird, überhaupt die Kraft?"

Und wir fragen uns: Kann ein Autor oder eine Autorin zwischen 20 und 30 überhaupt noch etwas schreiben, was kein Schlüsselwerk dieser Generation ist? Dabei ist Randt ja kein neuer Stern am Literaturhimmel, sondern erhielt bereits 2011 beim Ingeborg-Bachmann-Preis "für einen Auszug aus seinem Romanprojekt 'Schimmernder Dunst über CobyCounty' den Ernst-Willner-Preis [...] und erfuhr in der Literaturkritik hohe Beachtung; so nannte ihn die Frankfurter Allgemeine Zeitung 'das wahrscheinlich unaufgeregteste Buch der Saison.' [...] Der Roman 'Planet Magnon' erschien als Randts erstes Buch im Verlag Kiepenheuer & Witsch und wurde vom Spiegel in die Liste '50 Bücher unserer Zeit' aufgenommen." (Quelle: wikipedia.de)





Montag, 2. März 2020
Jonathan Coe. Middle England - die Zweite

Jonathan Coes "Middle England" ist auf Deutsch erschienen. Dazu gibt es nun eine SZ-Rezension. Weitere werden sicher bald folgen, denn "Middle England" wird als Schlüsselwerk für Brexit-Versteher gehandelt und für solche, die es werden wollen. Guggsdu ab und zu hier!

Foto: Folio-Verlag. Alle Rechte beim Verlag.

Und am Dienstag, den 10. März 2020, ist Coe zu einer Lesung in München im Literaturhaus.

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Montag, 17. Februar 2020
Margaret Mazzantini. Das schönste Wort der Welt.

Mazzantinis Roman umschiffe abermals gekonnt die Klippen des Kitsches, beruhigt uns die faz.

Foto: Dumont Verlag - alle Rechte beim Verlag

Und der ndr kommt richtig ins Schwärmen: "Das schönste Wort der Welt" wirke "wie hohes Fieber, aus dem man benommen erwacht, erschöpft von der Menge an Bildern, an Gefühlen, an Leid und Leben. Er ist hochfliegend und bescheiden, er ist überzeugend und absolut lesenswert".

Sergio_Castellitto_66ème_Festival_de_Venise_(Mostra)_3.jpg: nicolas genin from Paris, France derivative work: Wikielwikingo (talk), Margaret Mazzantini, CC BY-SA 2.0

In Italien wurde der Roman 2011 unter dem Titel "Venuto al mondo" veröffentlicht und mit Penelope Cruz als Gemma verfilmt, die deutsche Fassung heißt "Twice born - Was vom Leben übrig bleibt". Mazzantini schrieb am Drehbuch mit.





Samstag, 15. Februar 2020
Jonathan Coe. Middle England.

Jonathan Coe, Middle England, ist im Buchhandel bereits auf Deutsch erhältlich, obwohl der offizielle Termin erst in zwei Wochen ist. Eine heiße Empfehlung - nicht nur von Elfriede, sondern auch von unserer kultigen Charis.

Besprechungen gibt es beim Spiegel und beim NDR.

Der Roman "ist ist der dritte Band einer Trilogie nach The Rotters’ Club (2001) und The Closed Circle (2004). Der Roman beschreibt die Erfahrungen der Hauptpersonen der vorangegangenen Bücher vor dem Hintergrund der Vorgänge vor, während und nach dem Brexit-Referendum" (wikipedia.de).





Samstag, 4. Januar 2020
Links vom Wolf




Fotoausstellung - inspiriert von Virgina Woolf

Im Literaturhaus ist noch bis zum 12.1. eine Fotoausstellung mit Werken von Zackary Drucker, Lynn Hershman Leeson, Paul Mpagi Sepuya, Jamal Nxedlana, Walter Pfeiffer, Viviane Sassen u.a. zu sehen, kuratiert von Tilda Swinton, inspiriert von Virginia Woolfs Roman "Orlando" von 1928. Die Süddeutsche berichtet über Ausstellung und den gleichnamigen Film von 1992 mit Swinton in der Rolle des Orlando (Regie, Koproduktion und Drehbuch: Sally Potter; mehrfach ausgezeichnet).
Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa/So/Feiertage 10-18 Uhr
Dazu gibt es auch ein Begleitprogramm.